Preisträger*innen

Für den Simon-Wiesenthal-Preis 2021 sind 284 Bewerbungen aus über 30 Ländern weltweit beim Nationalfonds eingelangt – aus Österreich, Deutschland und weiteren Staaten Europas sowie aus Israel und den USA und weiters aus Asien, Australien, Südamerika und Kanada.

Die Jury hat aus den Bewerbungen zehn Projekte ausgewählt, die in die engere Auswahl für den Preis kommen. Aus dieser Shortlist hat das Kuratorium des Nationalfonds folgende Preisträger*innen ausgewählt.

Hauptpreis für zivilgesellschaftliches Engagement gegen Antisemitismus und für Aufklärung über den Holocaust:

Lily Ebert

Lily Ebert wurde 1923 in Ungarn geboren und 1944 ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert, wo ihre Mutter, ihr jüngerer Bruder und eine Schwester ermordet wurden. Mit zwei weiteren Schwestern kam Ebert nach vier Monaten zur Zwangsarbeit in eine Munitionsfabrik bei Leipzig, wo sie von US-Truppen befreit wurde. Über die Schweiz und Israel gelangte sie 1967 mit drei Kindern nach England. Heute betreibt ihr Urenkel Dov Forman für Lily Ebert einen Tiktok-Account mit über 1,6 Millionen FollowerInnen und hat mit ihr gemeinsam auch ein Buch herausgebracht.

Zwi Nigal

Geboren 1923 in Wien, flüchtete Zwi Nigal 1939 nach Palästina und kämpfte in der britischen Armee gegen Nazideutschland. Sein Vater wurde im Holocaust ermordet. 1946 kehrte Nigal als britischer Soldat nach Wien zurück, wollte dort aber nicht mehr leben. Er schloss sich der paramilitärischen Untergrundorganisation Hagana an und kämpfte 1948 im israelischen Unabhängigkeitskrieg. Seit seiner Pensionierung hält er als Zeitzeuge Vorlesungen vor jährlich durchschnittlich etwa 1.500 Schülerinnen und Schülern in Deutschland und Österreich.

Karl Pfeifer

Karl Pfeifer wurde 1928 in Baden bei Wien geboren und floh 1938 mit seinen Eltern nach Ungarn. Ihm gelang die Flucht nach Palästina, 1951 kehrte er nach Österreich zurück. Pfeifer ist journalistisch tätig und war Redakteur der "Gemeinde", des offiziellen Organs der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. Bis 2005 arbeitete er als Wiener Korrespondent des israelischen Radios und als freier Journalist für Magazine. Er setzt sich in seiner Arbeit aktiv gegen Antisemitismus ein.

Liliana Segre

Liliana Segre wurde am 10. September 1930 in Mailand geboren. Im Alter von 13 Jahren wurde sie 1944 als eines von 776 italienischen Kindern nach Auschwitz deportiert. Nur 25 überlebten. Bis heute ist Segre als Zeitzeugin in Fernsehen, Theatern und Schulen aktiv. Sie wurde zu einer der wichtigsten moralischen Autoritäten Italiens. Segre ist Präsidentin des Sonderausschusses gegen Intoleranz, Rassismus und Antisemitismus sowie Mitglied im Parlamentsausschuss für das Kinder- und Jugendalter. Außerdem ist sie Autorin und Koautorin zahlreicher Artikel und Bücher. Die Kommunikation mit Kindern und Jugendlichen liegt ihr besonders am Herzen.

Preis für zivilgesellschaftliches Engagement für Aufklärung über den Holocaust:

Zentrale österreichische Forschungsstelle Nachkriegsjustiz

1998 wurde die Zentrale österreichische Forschungsstelle Nachkriegsjustiz mit dem Ziel gegründet, mit der Erfassung und Erschließung der Akten der Staatsanwaltschaften und Gerichte die Auseinandersetzung der österreichischen Justiz mit den NS-Verbrechen zu dokumentieren. Sie soll zur Sicherung dieses Teils des europäischen Rechtskulturerbes beitragen und die historische Erfahrung in die Auseinandersetzung mit Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen der Gegenwart einbringen. Ihre Arbeit ist dabei jener von Simon Wiesenthal inhaltlich besonders nahe und steht auch ähnlichen Schwierigkeiten gegenüber.

Preis für zivilgesellschaftliches Engagement gegen Antisemitismus:

Jüdisches Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus

2008 wurde das von Levi Salomon initiierte Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA) mit der Unterstützung von Lala Süsskind und der Jüdischen Gemeinde zu Berlin gegründet. Es soll das demokratische Staatswesens stärken, interreligiösen und interkulturellen Austauschs fördern sowie politisch, rassistisch oder religiös Verfolgten helfen. Hierzu gehört der Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus. Neben Bildungs-, Öffentlichkeits- und Kulturarbeit führt das JFDA ein unabhängiges Monitoring durch und erfasst und bewertet antisemitische Vorfälle und Tendenzen sowie andere gegen das Grundgesetz und die Menschenrechte gerichtete Vorkommnisse.