Jury

Die Simon-Wiesenthal-Preis-Jury wird vom Kuratorium des Nationalfonds für die Dauer einer Gesetzgebungsperiode bestellt. Sie schlägt dem Kuratorium die möglichen Jahrespreisträger*innen vor.

Der Jury gehören neben einem Vorsitzenden fünf weitere Mitglieder an; darunter soll eine in gerader Linie verwandte Person des Preisnamensgebers Simon Wiesenthal sein. Als andere Mitglieder bestellt sind der Präsident der Israelitischen Religionsgesellschaft in Österreich sowie anerkannte Persönlichkeiten des öffentlichen oder kulturellen Lebens im In- oder Ausland oder Personen mit wissenschaftlicher Reputation auf dem Gebiet der Zeitgeschichte oder in einem anderen einschlägigen Wissenschaftszweig.

Nach Ende der Ausschreibungsfrist wertet die Jury innerhalb von vier Wochen die eingelangten Bewerbungen aus und unterbreitet dem Kuratorium einen schriftlichen begründeten Vorschlag mit bis zu fünf Kandidat*innen. Auf Grundlage des Vorschlags der Simon-Wiesenthal-Preis-Jury entscheidet das Kuratorium über die Preisträger*innen.

Mitglieder

Brigitte Bailer

Brigitte Bailer
Parlamentsdirektion / Bildagentur Zolles / Mike Ranz

"Simon Wiesenthal widmete die Arbeit seines Lebens der Aufarbeitung der Verbrechen der NS-Zeit und der Gerechtigkeit für die Opfer, in späteren Jahren auch der Bekämpfung von Neonazismus und Holocaust-Leugnung. Er wurde viele Jahre wegen seines Engagements in Österreich angefeindet, viel zu  spät erst erfuhr er die Anerkennung, die ihm gebührte. Dieser Preis  möge dazu beitragen, Simon Wiesenthals Einsatz und Kampf in Erinnerung zu behalten und nicht vergebens gewesen sein zu lassen."

Brigitte Bailer(-Galanda), geb. 1952 in Wien, Mag. rer. soc. oec., Dr. phil., Doz. für Zeitgeschichte an der Universität Wien. Seit 1979 wissenschaftliche Mitarbeiterin, 2004-2014 wissenschaftliche Leiterin des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes, 1998-2003  Stellvertretende Vorsitzende der Historikerkommission der Republik Österreich zur Erforschung von Vermögensentzug während der NS-Zeit sowie Rückstellungen und Entschädigung seit 1945, Arbeitsschwerpunkte: Widerstand und Verfolgung 1938-1945, Rechtsextremismus nach 1945 insbes. NS-Apologetik und Holocaust-Leugnung, Umgang Österreichs mit den Opfern des Nationalsozialismus bzw. der NS-Vergangenheit - Rückstellungen, Entschädigung, Opferfürsorge.

Oskar Deutsch

Oskar Deutsch
Wilke/IKG

„Der Simon-Wiesenthal-Preis ist ein wichtiges Signal und Ansporn für Menschen und Organisationen, die seinem Vorbild folgen und sich für zivilgesellschaftliches Engagement, die Aufklärung über die Shoah und gegen Antisemitismus einsetzen – und damit dazu beitragen, Österreich und ganz Europa nach humanistischen Prinzipien weiterzuentwickeln und zu stärken.“

Oskar Deutsch, geb. 1963 ist seit 2012 Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien und der Israelitischen Religionsgesellschaft Österreich. Zuvor war er ab 1999 Vizepräsident. Er studierte an der Wirtschaftsuniversität Wien und war lange Zeit Geschäftsführer der Alvorada die er bis zum Verkauf stetig ausbaute. Seit seiner Jugend war Oskar Deutsch ehrenamtlich in diversen Organisationen der Gemeinde tätig. Er ist Gründungsmitglied des Sportclubs Maccabi Wien und war Vizepräsident der Maccabi Europa. Seit 1993 ist er Kultusvorsteher der IKG und Leiter div. Kommissionen in den Bereichen Immobilien, Jugend, etc. Herausgeber von „Die Zukunft Europas und das Judentum. Impulse zu einem gesellschaftlichen Diskurs“ (2017).

Ariel Muzicant

Ariel Muzicant
Columbus Immobilien Vermittlungs GmbH

"Die 'zweite Generation' kannte die Shoah nur aus Erzählungen der Eltern. Simon Wiesenthal war unser Mentor, er lehrte uns Junge mit diesem schwierigen Thema umzugehen. Sein Ausspruch „Gerechtigkeit, nicht Rache“ hat viele Menschen geprägt."

Dr. Ariel Muzicant, geboren in Haifa, absolvierte ein Studium der Medizin in Wien, wo er 1976 promovierte. Ab 1977 war er als zertifizierter Immobilienmakler und Unternehmer tätig.
Bis heute ist er Vizepräsident des Europäischen Jüdischen Kongresses (EJC) und Vorstandsmitglied des Jüdischen Weltkongresses (WJC). Zudem war er von 1998 bis 2012 Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG) sowie von 1980 bis 1994 Gründer und Präsident der Zwi-Perez-Chajes-Schule in Wien. Zwischen 1978 und 2012 war er außerdem verantwortlich für den Wiederaufbau der Infrastruktur der Jüdischen Gemeinde, u.a. von Kindergärten und Synagogen in Österreich. Ariel Muzicant wurde von der Familie von Simon Wiesenthal als Vertreter ernannt.

Katharina von Schnurbein

Katharina von Schnurbein
Jennifer Jacquemart/EU

„Jüdinnen und Juden sind von Antisemitismus direkt betroffen, aber letztendlich bedroht er uns alle, unsere Werte und unser Gemeinwesen. Demokratie will verteidigt werden. Dazu braucht es Zivilcourage. Der Simon-Wiesenthal-Preis rückt mutiges zivilgesellschaftliches Engagement ins Rampenlicht und hofft damit viele Bürgerinnen und Bürger in Österreich und Europa zu inspirieren, gegen Hass aufzustehen und sich für ein respektvolles Miteinander einzusetzen.“

Katharina von Schnurbein, M.St. MES, geb. 1973 in Regen, seit Dezember 2015 Antisemitismusbeauftragte der EU-Kommission. Zuvor Beraterin des Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso für den Dialog mit Kirchen, Religionen und Weltanschauungsgemeinschaften. Pressesprecherin des tschechischen EU-Kommissars Vladimir Spidla (2004-2010); Pressesprecherin der EU-Delegation in Prag (2002-2004). Studium Politikwissenschaft und Slawistik in Prag, Bonn (MES) und Oxford (M.St.). EU-Fellowships am Europäischen Universitätsinstitut in Florenz 2017/18. Ausgezeichnet mit dem Europäischen Menschenrechtspreis von B'nai B'rith Europa 2018.

Monika Schwarz-Friesel

Monika Schwarz-Friesel
privat

"Der Simon Wiesenthal Preis gibt ein wichtiges gesamtgesellschaftliches Signal im Kampf gegen den Antisemitismus und für die Erinnerungskultur. Er ehrt zudem das Andenken an einen beeindruckenden Menschen, der sich unermüdlich gegen das Vergessen des Zivilisationsbruchs der Shoah einsetzte."

Prof. Dr. Dr. h.c. Monika Schwarz-Friesel ist seit 2010 Ordinaria am Institut für Sprache und Kommunikation der TU Berlin. Forschungsschwerpunkte: aktueller Judenhass, Antisemitismus und Sprache, verbale Gewalt und digitale Kommunikation. Von 2004 bis 2010 leitete sie in Kooperation mit der Brandeis University (Boston, USA) und der Hebrew University of Jerusalem das Projekt „Aktueller Antisemitismus in Deutschland“, von 2014 bis 2020 das von der DFG geförderte Pilot-Projekt „Antisemitismen im World Wide Web“. Als Expertin für aktuellen Judenhass berät sie zahlreiche Institutionen, u.a. die digitale Aktion „StopAntisemitismus.de“ der ZEIT-Stiftung, und sie ist Kuratoriumsvorsitzende der Rabbiner-Leo-Trepp-Stiftung.

Barbara Stelzl-Marx

Barbara Stelzl-Marx
Foto Furgler

"Die Spuren von Krieg und Gewalt sind häufig auf den ersten Blick unsichtbar, doch subkutan vorhanden, gleichsam eingebrannt in Biographien und Landschaften. Simon Wiesenthal machte es sich zur Lebensaufgabe, diese Spuren freizulegen  – durch die Aufarbeitung des Holocaust und die Ahnung von NS-Verbrechen. Gemäß seinem Motto 'Aufklärung ist Abwehr' soll der zu Ehren von Simon Wiesenthal benannte Preis einen Beitrag zum Gedenken an die Opfer des NS-Regimes sowie zur Wahrung von Demokratie und Menschenrechten leisten."

Barbara Stelzl-Marx, Universitätsprofessorin für europäische Zeitgeschichte an der Karl-Franzens-Universität Graz, Leiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung, Graz – Wien – Raabs, und Vizepräsidentin der Österreichischen UNESCO-Kommission. 2020 wurde sie als „Wissenschafterin des Jahres“ ausgezeichnet. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen Kriegsfolgen des Zweiten Weltkrieges, Kalter Krieg, Kinder des Krieges, Migration, Stalins Propaganda für sowjetische DPs, Erinnern und Gedenken. Aktuell leitet sie u. a. Forschungsprojekte zu „Lebensborn“ (Österreichische Nationalbank und Land Niederösterreich) und zu tschechoslowakischen Nachrichtendiensten in Österreich (FWF).

Häufig gestellte Fragen

Welches zivilgesellschaftliche Engagement kann ausgezeichnet werden?

Die möglichen Preisträger*innen haben sich – durch Projekte, Initiativen oder in anderer geeigneter Weise – gegen Antisemitismus und/oder für die Aufklärung über den Holocaust verdient gemacht, weil sie z.B.:

  • das Wissen über den Holocaust aktiv vermitteln, stärken und verbreiten;
  • das Bewusstsein in der Gesellschaft für die Gefahren des Antisemitismus in der Gegenwart stärken;
  • das Verständnis für die Funktionsweisen und Folgen des Antisemitismus schärfen und dadurch eine demokratische Alltagskultur stärken;
  • in vorbildlicher Weise Zivilcourage zeigen und damit den Wert und die Bedeutung des Engagements jedes und jeder Einzelnen unterstreichen;
  • sich für Maßnahmen einsetzen, welche Antisemitismus und Relativierungen des Holocausts in all seinen Formen entgegenwirken;
  • Verständnis und Sensibilität schaffen, wo eine kritische Haltung zum Antisemitismus besonders gefördert werden soll;
  • zur Entwicklung eines gemeinsamen Bewusstseins gegen Antisemitismus beitragen;
  • zu einer innovativen, nachhaltigen und der Aufklärung verpflichteten Gedenkkultur beitragen.

Besonders berücksichtigt werden Projekte, Initiativen und Verdienste, die neue Impulse und Akzente setzen, die besonderen Vorbildcharakter haben und geeignet erscheinen, nachhaltig für Gegenwart und Zukunft zu wirken.

Kann ich auch jemand anderen für den Preis vorschlagen?

Ja. Personen oder Personengruppen können sich selbst für den Simon-Wiesenthal-Preis bewerben (Eigenbewerbung) oder vorgeschlagen werden (Vorschlag).

Können auch Institutionen teilnehmen?

Ja. Teilnahmeberechtigt sind beispielsweise auch Organisationen der Zivilgesellschaft wie Vereine, Verbände, Stiftungen, gemeinnützige Gesellschaften mit beschränkter Haftung; Interessensgruppen, regionale Zusammenschlüsse wie Örtliche Vereine und Verbände, also Organisationen, die aus der Mitte und von der Basis der Gesellschaft her entstehen; Menschenrechtsorganisationen; nichtstaatliche Organisationen; Wohlfahrtseinrichtungen, Kulturorganisationen, Aus- und Weiterbildungseinrichtungen; Jugendorganisationen, Familienverbände, Studierende und Studierendengruppen, Lehrlinge und Lehrlingsgruppen sowie Jugend- und Schüler*innengruppen.

Richtet sich der Preis auch an die internationale Zivilgesellschaft?

Ja. Für den Simon-Wiesenthal-Preis können Einzelpersonen und Personengruppen aus der Zivilgesellschaft aus dem In- und Ausland, unabhängig von der Staatsbürgerschaft, vorgeschlagen werden oder sich bewerben.

Wer entscheidet über die eingereichten Bewerbungen?

Das Kuratorium entscheidet auf Grundlage des Vorschlags der Simon-Wiesenthal-Preis-Jury über die Preisträger*innen.

Die Auswertung der Bewerbungen erfolgt durch die Simon-Wiesenthal-Preis-Jury anhand der Bewerbungsunterlagen und gemäß der vom Kuratorium erlassenen Geschäftsordnung.

Die Simon-Wiesenthal-Preis-Jury wertet die Bewerbungen ausschließlich anhand der in den Bewerbungsunterlagen enthaltenen Informationen aus und unterbreitet dem Kuratorium innerhalb von vier Wochen einen begründeten schriftlichen Vorschlag für die Preisträger*innen. Der Vorschlag kann bis zu fünf Kandidat*innen sowie eine Reihung derselben enthalten.

Wie hoch ist das Preisgeld?

Der Simon-Wiesenthal-Preis ist jährlich mit insgesamt 30.000 € dotiert und wird in 2 Kategorien vergeben:

  • zivilgesellschaftliches Engagement gegen Antisemitismus (7.500 €)
  • zivilgesellschaftliches Engagement für die Aufklärung über den Holocaust (7.500 €)

Darüber hinaus wird ein Hauptpreis als Auszeichnung für besonderes zivilgesellschaftliches Engagement gegen Antisemitismus und/oder für die Aufklärung über den Holocaust vergeben, der mit 15.000 € dotiert ist.

Wie bewerbe ich mich für den Simon-Wiesenthal-Preis?

Für die Bewerbungen ist das auf der Simon-Wiesenthal-Preis-Website veröffentlichte Online-Bewerbungsformular zu verwenden. Beilagen sind elektronisch hochzuladen.

In der Bewerbung sind die Gründe anzuführen, die den/die Kandidat*in als Preisträger*in geeignet erscheinen lassen und die Verdienste im Sinne der Ausschreibung darzulegen.

Auf dem Bewerbungsformular sind alle Informationen anzugeben, die der Nationalfonds benötigt, um

  • sicherzustellen, dass der/die Bewerber*in die formalen Zulassungsvoraussetzungen erfüllt;
  • die Arbeit des eingereichten Engagements in Bezug auf die Zielsetzungen des Preises zu prüfen.